„Während der ‚Neorenaissance Schwabings‘ ging man zum Würfeln in die Säge, zum Klugschwätzen in Toni Netzles Alten Simpl und zum Saufen in die Schwabinger Sieben“,
resümierte sinngemäß der Maler und Cartoonist Michael Heininger (Foto re.) in seiner Einführungsrede zur Buchpräsentation von „Schwabinger Sieben„, einer Sammlung Kurzgeschichten von Joachim Lotsch, die alle um die gleichnamige Schwabinger Szenekneipe kreisen.
Doch sei das Lokal vor allem „eine Börse für kluge Gedanken“ gewesen, betonte der Autor und Verleger (Foto re.) bei der Präsentation seines neuesten Buches.
Dieses beamte uns zurück in das Schwabing der 1960er bis 1980er Jahre:
„(…) Die Straßen voller Menschen, die noch nicht wussten, wie spät es werden würde (…)“

SCHWABINGER SIEBEN von JOACHIM LOTSCH – ISBN 9783949437014

(…) „Das Buch enthält sieben Geschichten, die sich in der Kneipe SCHWABINGER SIEBEN in der Feilitzschstraße sieben in München, beziehungsweise deren Umfeld, so oder so ähnlich zutrugen.
Die SCHWABINGER SIEBEN entstand aus einer Ruine des zweiten Weltkriegs, die aus den Resten eines zerbombten Gebäudes notdürftig errichtet wurde. In den folgenden Jahren entwickelte sich das Provisorium zu einer berühmt-berüchtigten Kneipe, die von Künstlern, Studierenden und Prominenten zugleich frequentiert wurde. Das Publikum war ein buntes Gemisch jedweder Couleur, und die Kneipe wurde vom Schwabinger Wirt Gerd „Manila“ Waldhauser zum Erfolg geführt. (…)
Neben den Texten von Joachim Lotsch enthält das Buch Fotoarbeiten der Künstlerin Christine Winneberger (s. Titelfoto), die ihrem Bildband „SCHWABINGER 7“ entnommen sind. (.. )

Auch ich – und sicher nicht als einzige unter den Gästen – zähle zu denjenigen, die seinerzeit mit Fug und Recht gespannt sein durften, wie lang ihre Schwabinger Nächte werden würden, denn meine zogen sich oft seeehr in die Länge…
„…in den Gassen von Schwabing, wo der Rauch der Zigaretten die Luft erfüllte (…)“

…Eine Szenerie, die im grassierenden Purismus des 21. Jahrhunderts undenkbar geworden ist! Daher fühle ich mich oft als aus der Zeit gefallen, mit meinem nostalgischen Hang zu jenen einst kultivierten Freiheiten und Exzessen, damals, als es die Energie junger Jahre noch zuließ. Gleichwohl weiß ich inzwischen, mit der Reife fortgeschrittener Jahre 😉 , dass solcherart Freisein letztendlich an der Schnittstelle zu „vogelfrei“ angesiedelt ist. Nicht umsonst heißt es in Bobby McGee:
Diesen Song, der auch im Buch erwähnt wird, assoziiere ich mit jener durch Haltlosigkeit generierten Melancholie, die viele meiner Generation geprägt hat, mich eingeschlossen. Im Buch bin ich diesem Gefühl zwischen den Zeilen wiederbegegnet – denn Joachim Lotsch beschönigt in seinen Texten nicht, sondern rekapituliert menschliche und menschelnde Momentaufnahmen aus einer Zeit, die erst im Nachgang zum Verglorifizieren verleitet…
Wie erwartet, erwies sich das Galerini in der Herzogstr. 81, in seiner Eigenschaft als Altschwabinger Zeitkapsel, als kongenial für die Buchpräsentation – und das Publikum als ebenso bunte Mischung, wie einst in der Schwabinger 7.
Rechts der Bildungsmanager Prof. Hans-Peter Niedermeier, dessen Jugendjahre ebenfalls in Schwabing „sozialisiert“ wurden 😉
Im Hintergrund eine Ausstellung von Michael Heininger.

Besonders gefreut habe ich mich, bei dieser Lesung den Kabarettisten Jochen Busse einmal persönlich kennenzulernen, der sich die Buchpräsentation ebenfalls nicht entgehen lassen wollte.
Weiterführende Links >

Unter anderem kann das Buch in der Schwabinger Buchhandlung Lehmkuhl,
in der Leopoldstr. 45, erworben werden

Entdecke mehr von Gaby dos Santos
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.
