Ode an die Ewige Stadt: Elena Bonelli, „die Stimme Roms“, gastierte im Silbersaal des Deutschen Theaters

„Per noi Roma è amore…“

… eröffnete uns Sängerin Elena Bonelli im Silbersaal des Deutschen Theaters; eine Liebe, die sie mit einem Feuerwerk aus Liedern und Anekdoten hochleben ließ. Das tat diese leidenschaftliche „Stimme Roms“ auf Italienisch, nachdem sie ihre englische Moderation schnell wieder ad acta gelegt hatte: Viel zu viel Berichtenswertes gab es zu ihrer Heimatstadt und deren musikalische Traditionen, um sich lange mit einer Fremdsprache aufzuhalten! 😉 Hinzu kam, dass es sich beim Publikum entweder um Landsleute handelte, oder um der Sprache kundige Deutsche.

Letzteres traf auch auf den Intendanten Thomas Linsmayer zu, der schon viel frischen Wind ins Deutsche Theater gebracht und den barocken Silbersaal aus dem Dornröschchenschlaf erweckt hat. An diesem Abend begrüßte er das Publikum in fließendem Italienisch, da er, wie er mir später verriet, selbst einige Jahre in Italien gelebt hat.

Das erklärte unter anderem, warum er in seinem Theater ein so spezielles Genre wie die „Canzone Romana“ präsentierte, das sein Publikum jenseits des herkömmlichen Italo-Pops rekrutiert.

Zudem fügte sich das römische Gastspiel gut in die Weltmusikreihe ein, die bereits seit einiger Zeit erfolgreich im Silbersaal läuft. Damit steht dieser so vielfältigen Musikgattung endlich eine Plattform jenseits der gewohnten Bretterlbühnen-Askese zur Verfügung, um sich in all ihren Facetten entfalten zu können.

Dem opulenten Rahmen der Soiree zollte auch die Protagonistin selbst Tribut, mit Strass satt auf grünem Satin. Das erwies sich als kongeniales Outfit für einen stimmgewaltigen und sehr mediterran anmutenden Auftritt, einschließlich dem Pathos großer Gesten – man erinnere die legendäre Milva

Dabei gut zum Tragen kam Bonellis Background als Schauspielerin, insbesondere bei den von leiser Tragik umwehten Balladen, die kollektiv zum Schwelgen verleiteten. Sanft getriggert durch den familiären Klang von Melodik und Sprache, schöpfte ich zeitgleich tief aus meinem persönlichen Fundus an Italo-Reminiszenzen…

Bei den temperamentvollen, folkloristisch angehauchten Stücken wiederum, fügte Elena Bonelli das Publikum zu einem einzigen, einheitlich klatschenden und stampfenden Rhythmuskörper zusammen. Lebensfreude pur lag dann über dem gesamten Silbersaal! Die Künstlerin erwies sich als eine mehr als würdige Kulturbotschafterin ihrer Heimat! Kein Wunder, dass sie Thomas Linsmayer vom italienischen Generalkonsul a.D. persönlich empfohlen worden war. Auch die Programmankündigung auf der Homepage des Deutschen Theaters hatte definitiv nicht zu viel versprochen!


Rom in Tönen, Bildern und Geschichten

Elena Bonelli, weltweit „amtierende Botschafterin des römischen Liedgutes von gestern und heute“

Eine bewegende Reise voller Musik, Erzählungen und Anekdoten: Elena Bonelli präsentiert in Die Stimme Roms ein Geflecht aus Geschichten über die Ewige Stadt, das römische Liedgut und italienische Traditionen von gestern und heute.

Es ist ein fesselndes Erlebnis, das das Publikum mitreißt und der Sängerin bereits weltweit Standing Ovations eingebracht hat.

Quelle: Deutsches Theater/Silbersaal > MEHR

In Bonellis Repertoire fehlten natürlich nicht die Klassiker, wie Roma Capoccia oder Le Mantellate. Dass die auf Zuschauerzuruf dargebotene Zugabe „Arrivederci Roma“ von Renato Rascel stammte, einer weiteren „Vedette“ meiner italienischen Zeit, war mir neu. Dito, dass das von mir als fehlend monierte Lied „Porta Romana vecchia“ de facto in Mailand verortet ist – 🙈 – wie mir Bonellis charmanter Pianist Stefano Cenci erläuterte, übrigens optisch ein veritabler Bilderbuch-Italiener und zudem mit einer umfangreichen musikalischen Vita ausgestattet.

Wie bereits im Programm angekündigt, bedachte Elena Bonelli uns mit einem Abend voller großer Emotionen, der mich zurück in das Italien meiner Kindheit und Jugend beamte, einschließlich einem Panoptikum unvergessener italienischer Kulturpersönlichkeiten, allen voran der von mir verehrte Aktivist, Autor und Regisseur Pier Paolo Pasolini, dem Bonelli eines ihrer Chansons aus eigener Feder widmete. Natürlich würdigte sie zudem die großartige Gabriella Ferri, die Ende der 1960er von Italiens Topmoderator Mike Buongiorno entdeckt wurde und in Folge zum Italien weiten Chanson-Star „da Bolzano a Siracusa“ avancierte. (Mir bis heute unvergessen Ferris Version von > Rosmunde).

Der Abend führte mir allerdings auch vor Augen, dass seit meinem Weggang Ende der 1970er Jahre, die Zeit in Italien nicht stehen geblieben war.

So erfuhr ich beispielsweise, dass an Stelle des einstigen Chanson-Grandseigneurs und Herzensbrechers Franco Califano, längst ein Nachfolger mit höchst bewegter Vita namens „Alessandro Mannarino“ getreten ist…

So also setzt sich die Tradition der Canzon Romana in die nächste Generation fort. In ihrer modernen Form ins Leben gerufen wurde sie bei einem Gesangswettbewerb 1891, laut Bonelli, ausgerechnet von einem !Niederländer.

Als Konstante im Wechsel der Zeiten verbindet uns Fans die unkaputtbare Liebe zu Italien, zu dessen Hauptstadt und zu einem ganz bestimmten Lebensgefühl. Zwar lässt sich dieses schwer in Worte fassen, doch wer es einmal kennen gelernt hat, den lässt die Sehnsucht danach nie wieder los…

Emotionen – Sinnlichkeit und gaaanz viel Herz an diesem Abend im Zeichen der Ewigen Stadt... Links gratuliert Thomas Linsmayer Elena Bonelli zu ihrem Auftritt, rechts lädt er das Publikum in die Trattoria

Bella Italia“ nennt sich das Shangri La unserer beständigen Fangemeinde; diejenigen darunter, die den Weg in seine Bühne gefunden hatten, lud Thomas Linsmayer spontan ein, den Abend gemeinsam in der Trattoria gegenüber ausklingen zu lassen. Eine solche Geste habe ich seitens einer Intendanz hierzulande noch nie erlebt! Sie berührte mich und bildete den stimmigen Schlussakkord, zu einem Abend, der noch die ganze Woche über in mir nachgeklungen ist…


Mehr im GdS-Blog zu Veranstaltungen im Deutschen Theater München


Das Titelmotiv zeigt Elena Bonelli mit Gaby dos Santos und Thomas Linsmayer nach der Show im Silbersaal.
Ergänzt wird das Foto durch das GdS-Logo, einer Theatermaske mit Perlenträne


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Veröffentlicht von Gaby dos Santos

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