Latscho Rosen und Roland Krause verkörpern für mich die Sinti-Musiker-Version des legendären Zwillingspaars Kastor & Pollux – getrennt voneinander mag man sie sich kaum vorstellen. Tatsächlich verbindet die beiden eine so enge Freundschaft, dass sie derzeit sogar im selben Haus in Augsburg leben. Gemeinsame Auftritte liegen da – gestern wie heute – auf der Hand. Und doch glänzt jeder von ihnen auch solo mit einer mehr als respektablen künstlerischen Vita:
LATSCHO
Latscho Rosen ist eines von sieben Kindern aus der bekannten Sinti-Familie von Otto Rosenberg in Berlin. Neben seiner älteren Schwester, der Schlagersängerin Marianne Rosenberg, steht auch seine Schwester Petra Rosenberg in der Öffentlichkeit: Als Vorsitzende des Landesverbandes Deutscher Sinti und Roma Berlin-Brandenburg führt sie das Erbe ihres Vaters erfolgreich fort.
Als versierter Klangprofi und Studiomusiker machte er sich weltweit einen Namen. In Deutschland arbeitete er nicht nur viele Jahre mit seiner Schwester Marianne Rosenberg zusammen, sondern auch mit einer ganzen Reihe weiterer Stars der Musikbranche, wie Nena und Howard Carpendale. Seine vielfältigen internationalen Engagements führten ihn bis nach Australien.
ROLAND
Auch Roland Krause gehört zur deutschen Minderheit der Sinti.
Über die Jahre hat er sich einen Ruf als hochentwickelter Instrumentalist erworben. Zu den großen Meilensteinen seiner Karriere gehört seine Zeit als Tour-Musiker für Udo Jürgens.
Der Sinti-Jazz-Interpret: Aber nicht nur in der anspruchsvollen, deutschen Unterhaltungsmusik der Spitzenklasse bewegt er sich. Parallel widmet er sich leidenschaftlich den akustischen, folkloristischen und jazzigen Klängen seiner Herkunft. Sein Spiel zeichnet sich durch die typische, hochvirtuose und emotionale Note aus, die für Sinti-Gitarristen charakteristisch ist.
Jeder Besuch der beiden ist für mich ein Fest – musikalisch und vor allem emotional! Unsere Freundschaft zeigt, dass man sich nicht zwingend oft sehen oder seit Jahren kennen muss, um sich tief verbunden zu fühlen.