Dokumentarfilme mit der erzählerischen Kraft von Spielfilmen: Der Schweizer Film-Allrounder Martin Witz – am 2. Dezember zu Gast in München

(…) Wer seinen Namen noch nie gelesen hat, sieht sich wahrscheinlich selten Schweizer Filme an; oder schleicht sich im Dunkeln aus dem Kino, wenn der Abspann beginnt. (…)

äußerte die Schweizer Journalistin, Kuratorin und Verlegerin Bettina Spoerri über den Schweizer Filmemacher, Drebuchautor, Editor sowie Kameramann Martin Witz in einem NZZ-Portrait 📌

Der Artikel beruht auf einem Interview mit Witz, anlässlich der Präsentation seines Films „The Substance – Albert Hofmanns LSD„, beim Locarno Film Festival und trägt die Überschrift „Ein Schweizer Exportartikel der ganz anderen Art„; ein doppelbödiger Titel, der sich vordergründig auf den weltweiten Siegeszug von Hoffmanns Psycho-Droge bezieht, doch ebenso gut auf den Filmemacher selbst und die Qualität seiner Produktionen gemünzt sein könnte.

Ein älterer Mann mit grauen Haaren, der ein dunkelblaues Jackett und einen gestreiften, burgunderroten Schal trägt. Er lächelt und steht vor einer roten Wand mit dekorierten Fensterrahmen.
Martin Witz im Herbst 2025 in Zürich


Martin Witz’ Filmografie umfasst eine Reihe handverlesener Dokumentarfilme, die um außergewöhnliche Lebensleistungen kreisen.

Im Fokus stehen dabei vorrangig Schweizer Persönlichkeiten, was die Werke auf internationaler Ebene zu Botschaftern ihres Landes macht. Sie beleuchten Facetten der jüngeren Schweizer Geschichte und zeichnen das Bild von Pionieren, die man im Ausland – zumindest in dieser Plastizität – nicht unbedingt auf dem Schirm hat.

Weil sich vom Filmemachen alleine schlecht die Familie ernähren ließe, insbesondere, wenn man thematisch ausgefallenes und somit weniger kommerzielles Terrain erkundet, wie Martin Witz schmunzelnd in einem Filmgespräch 2024 in München äußerte, ist seine Filmografie „klein, aber fein“. Seine Dokumentarfilme, entstanden nach akribischen, zum Teil mehrjährigen Recherchen, wurden alle in Spielfilmlänge produziert, preisgekrönt und auf namhaften Festivals gezeigt. Nachstehend seine letzten Werke:

So erfährt man in Gateways to New York, dass seit 1964 die längste Brücke der USA, die Verrazano Narrows Bridge, die Ingenieurskunst des genialen Schweizer Brückenbauers Othmar H. Ammann krönt. Das LSD wiederum, The Substance, das einst die gesamte Hippie-Generation auf Psycho-Trips beamte und bis heute klinisch Anwendung findet, entdeckte der Chemiker und Autor Albert Hofmann 1943 in einem Baseler Labor.

Selbst bei international geläufigen Schweizer Schlagworten wie „MIGROS“ hält Witz in seinem Porträt über Gottlieb Duttweiler, den visionären Schöpfer der Supermarktkette, reichlich „Aha-Erlebnisse“ bereit. Er kommt dem „Gottlieb“ hinter dem „Riesen“ sehr nah, weil er in seinen biografischen Arbeiten eben gerade nicht dem „Legendenbau“ verfällt.

Indem Martin Witz die Bruchlinien, den Eigensinn und kurzum das „Menscheln“ seiner Figuren zulässt, holt er sie auf Augenhöhe des Publikums. Über diese nahbaren Charakterstudien erschließen sich seine Filme dann wie von selbst, ohne dass eine spezielle Affinität für Brückenbau, Marketing oder Psychedelik vonnöten wäre…

Das gilt ebenso für die Populärmusik und deren historische Stars – das Thema der jüngsten Produktion von Martin Witz, „Im Schatten der Träume“.

Mit diesem Werk erweitert er sein cineastisches Terrain thematisch über die Schweiz hinaus:

Der zeitgeschichtliche Bogen setzt diesmal in der deutschen UFA-Traumfabrik der frühen 1930er-Jahre an.


Mein persönlicher Blick auf das Werk: Ein Schlusswort

„Mich interessiert, mittels einer spezifischen Biografie, eines Werkes, Zeitgeschichte zu beschreiben, zu erzählen. (…)“

äußert Martin Witz in einem der vielen Interviews zu seinem jüngsten Film. Mir geht es bei meinen Produktionen ganz ähnlich, denn kein Medium transportiert Zeitgeschichte kongenialer als die Menschen, die sie selbst erlebt oder geprägt haben. Daher habe ich sofort einen Zugang zu seiner Art des Filmemachens gefunden.

Hinzu kommt sein Talent, Beobachtungen detailliert geradezu aufzusaugen, in Gedanken zu fassen und filmtauglich einzuordnen – ganz gleich, ob bei der Arbeit oder auf privaten Pfaden. Das sind die besten Voraussetzungen für einen überzeugenden Filmemacher.