Filmabend im Kulturforum München: „Bruno – Der junge Kreisky“ und ein prägnanter Blick auf die Sozialdemokratie mit Christian Ude als Zeitzeuge

Das Kulturforum der SPD präsentierte im Riofilmpalast das frisch angelaufene Historiendrama „Bruno – Der junge Kreisky“ von Harald Sicheritz. In der Hauptrolle brilliert Nils Arztmann als junger, angehender Staatsmann.

Obwohl ich mich in meinen eigenen „Historicals“ ganz der dokumentarischen Darstellung verschreibe und mich mit biografischen Spielfilmen oft schwertue, hat dieser Film etwas in mir bewegt. Über die historische Figur des jungen Kreisky hat er mich als „Wieder-Genossin“ mit meinem eigenen Verständnis von Sozialdemokratie konfrontiert. Franz Maget nannte sie einmal eine „Entscheidung fürs Leben“ – dem kann ich nur zustimmen.

Eine ältere Frau mit grauen Haaren und Brille sitzt in einem Kino mit einer roten Polsterung im Hintergrund.

Für mich ist sie eine Lebenshaltung, die sich schon aus ihrer Wortschöpfung ergibt: dem lateinischen socialis (gemeinschaftlich) und dem griechischen demokratia (Volksherrschaft).

In ihrer langen Geschichte wurde die Bewegung von großartigen Persönlichkeiten geprägt. Sie haben sie – oft unter Lebensgefahr – zu einer Chronik der Aufrechten geadelt, auf die wir heute mit Stolz blicken können und die uns gleichzeitig Verpflichtung für die Zukunft sein sollte. Daran erinnert dieser Film eindringlich.

Den Bogen zurück in die Realität spannte Christian Ude. Er lernte den späteren österreichischen Bundeskanzler mit Mitte 20 kennen und blieb ihm zeitlebens verbunden. Mit gewohnt mitreißender Rhetorik schilderte Ude diese erste Begegnung und verdeutlichte die dramatischen Lebensumstände des jungen Kreisky, der in der Dollfuß-Diktatur und unter dem aufkommenden Nationalsozialismus wegen seiner politischen Haltung und seiner jüdischen Wurzeln verfolgt wurde.

Ein Redner steht auf der Bühne eines Kinos vor einem roten Vorhang, während das Publikum in den Sitzen sitzt.
Christian Ude am 6.10.2026 im Riofilmpalast München

Ude blätterte ein Stück Zeitgeschichte so hautnah auf, dass ich mich in meiner eigenen politischen Ausrichtung bestärkt sah. Ich gehöre der ältesten noch bestehenden Partei Deutschlands an. Auch wenn sich die Arbeiterklasse längst emanzipiert hat: Gesellschaftliche Baustellen, die die Sozialdemokratie auf den Plan rufen, gibt es weiterhin in Hülle und Fülle. Das beobachte ich durch mein Engagement für die Gleichstellung von Minderheiten tagtäglich. Auf dem soliden Fundament ihrer historischen Vorbilder wird die Sozialdemokratie daher heute so dringend gebraucht wie eh und je…

Einblick in ein Kino mit dem Schild 'Willkommen im Río Filmpalast' auf der Leinwand, rote Sitze und Zuschauer im Vordergrund.



Für mich stellte der Abend auch einen Testlauf dar. Am Mittwoch, den 2. Dezember 2026, präsentiere ich im selben Rio-Filmpalast den Dokumentarfilm „Im Schatten der Träume“ des Schweizer Regisseurs Martin Witz, in Kooperation mit dem Forum Queeres Archiv München und Madhouse KULTUR.

Ebenso habe ich die After-Show-Party vorab schon einmal geprobt: Ich verbrachte noch einige beschwingte Stunden in geselliger Runde mit Kulturkolleginnen, die ich bereits am Vorabend bei einer Veranstaltung des Kulturforums in Udes Keller getroffen hatte. Gleich neben dem Kino befindet sich das Filmcafé Rio, das allerdings wenig mit einem klassischen Kaffeehaus gemein hat – vielmehr werden dort heftige Cocktails serviert. Natürlich musste ich eine Mixtur namens „Satan“ probieren, der mir im Anschluss einen entsprechend satanischen Heimweg bescherte.

Fünf Frauen lächeln und sitzen gemeinsam in einem gemütlichen Raum mit Fenstern und sanfter Beleuchtung. Eine Frau hält ein Glas in der Hand.
Von links die Filmemacherin Eva Severini, Renate Döringer, Christine Prunkl (langjährigers Vorstandsmitglied im Kulturforum), Gaby dos Santos und rechts außen Renate Kürzdörfer, die neue Vorsitzende im KF

Am Rande:

Es ist mir immer eine Freude, wenn sich zu einer nachhaltigen Erfahrung ein Gesicht dazugesellt…

Seit ich vor einiger Zeit den Dokumentarfilm DAS GRANDHOTEL PUPP IN KARLSBAD gesehen habe, bin ich wild entschlossen, sobald es mir möglich ist, dorthin zu reisen. Nun weiß weiß ich, dass ich diese fixe Idee der Filmemacherin und Autorin Eva Severini zu verdanken habe 😉


Zum Kulturforum der Sozialdemokratie in München e.V. >




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Veröffentlicht von Gaby dos Santos

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