Einmal mehr als Seelenbalsam erwies sich mein kürzlicher „Update-Besuch“ bei der inklusiven Freien Bühne München (FBM). Über Jahre mitzuerleben, wie eine wünschenswerte Vision – die des gemeinschaftlichen Kunstschaffens von Menschen mit und ohne Behinderung – nicht nur Wirklichkeit wird, sondern auch stetig an Format gewinnt, tut gut und ist bitter nötig. Besonders in einer Zeit, in der ich angesichts der Nachrichten am liebsten nonstop den Weltenblues trällern würde. Daher tendierte ich, als Gast bei dieser FBM-Veranstaltung, stimmungsmäßig zunächst eher zu Heul- als zu Lach-Yoga.
Letzteres bot die FBM als Workshop unter der Leitung der Filmregisseurin Melanie Müller-Ittstein am letzen Tag der Offenen Tür 2026 im Kreativquartier München an. Ihr zur Seite standen zwei AbsolventInnen erster Stunde der FBM: Denis Fell-Hernandez und Louisa Wöllisch.
Beide haben die der FBM angegliederte Schauspielschule besucht – die bislang einzige in Deutschland, die Menschen mit und ohne Behinderung ausbildet.

Und das mit großem Erfolg! Luisa Wöllisch ergatterte gleich nach ihrem Diplom eine Hauptrolle an der Seite von Schauspiel-Stars wie Tom Schilling und Jella Haase in der Kino-Komödie Die Goldfische und ist seither für TV-, Kino- und Bühnenprojekte gut gebucht. Denis Fell-Hernandez gehört seit einigen Jahren zum Ensemble der Kammerspiele München. Sein Wunsch, trotz einer Einschränkung durch Trisomie 21 Schauspieler zu werden, gab seinerzeit den Anstoß für das, was in Folge für seine Mutter Angelica Fell und seine Schwester Marie-Luise Fell zur Vision einer „freien“, weil für ALLE offenen Bühne führen sollte! Luisa und Denis nun zu erleben, wie sie beide erfolgreich im Schauspielmetier Fuß gefasst haben, freute mich besonders, da ich ihren Werdegang von Anfang an mitverfolgt und auch in meinen Blogbeiträgen festgehalten habe (s. Beitragsende).

Wie so oft bei Veranstaltungen der FBM verwandelte sich auch diesmal die Bühne alsbald in einen Raum purer Lebensfreude. Frei nach dem Motto „grundlos lachen“ ließen die Besucherinnen und Besucher durch gezielte Atemübungen, Bewegung und spielerische Elemente die Alltagssorgen hinter sich und schalteten in den Heiterkeitsmodus um! (Nie war er wertvoller 😉 )


An das „Lachtraining“ schloss sich eine Führung durch die neuen Räumlichkeiten der FBM an. Dank der neuen, nunmehr festen Adresse, hat eine mühsame, mehrjährige Odyssee, mit diversen provisorischen Zwischenstationen, endlich ein glückliches Ende gefunden. Im kunterbunten Areal des Kreativquartiers an der Dachauer Straße haben sich dank einer Initiative der LH München Kreative unterschiedlichster Couleur angesiedelt. Der FBM bieten sich hier ein inspirierendes Umfeld und vor allem geeignete Räumlichkeiten, um Bühnenausbildung und Probenprozesse unter einem Dach zu vereinen.

Für diesen Herbst steht die Inszenierung von Bertolt Brechts Theaterstück Der gute Mensch von Sezuan an. Wie der große Wandkalender im Büro der künstlerischen Leitung zeigt, ist das Stück bereits überregional hervorragend gebucht.

Auf die Premiere freue ich mich jetzt schon – sowohl als alte „Brechtianerin“ wie auch als Fan der FBM-Inszenierungen, bei denen man seit 2017 immer wieder mit außergewöhnlichen Bühnenerlebnissen rechnen darf. Die Theaterplakate auf den Fluren der FBM riefen zahlreiche Theatererlebnisse in Erinnerung, bei denen ich über die Jahre zu Gast gewesen bin. Mit absoluten Highlights für mich, wie „PEER GYNT„, „WOYZECK“ oder „LULU„.
Lediglich 2025 musste das Ensemble pausieren, weil die städtischen Fördermittel ausblieben.

Dafür punktete das Ensemble an anderer Stelle umso mehr, und zwar mit dem Deutschen Synchronpreis 2025. Die Auszeichnung wurde für die Synchronisation des erfolgreichen französischen Spielfilms „Was ist schon normal?“ verliehen. Die FBM erhielt den Preis als Kooperationspartner zusammen mit dem Studio 4 München. Insgesamt wurden sieben Rollen des Films mit Studierenden und Ehemaligen der Freien Bühne München besetzt. Damit gehörten zum ersten Mal in der Geschichte ausgebildete Schauspielerinnen und Schauspieler mit Behinderung zu den Preisträgern. Die feierliche Verleihung der Synchronpreis-Gala fand im Tipi am Kanzleramt in Berlin statt!

Ein großes Foto der FBM-Delegation zeugt davon in den neuen Räumlichkeiten, die derzeit noch ihren Feinschliff in Bezug auf Barrierefreiheit erhalten. Diese dürfte nach Fertigstellung eine nachahmenswerte Blaupause für inklusive Maßnahmen bieten, über die ich sicher berichten werde.

Der nächste Abstecher zur FBM in der Dachauer Straße 110d, rote Tür, ist daher bereits fest geplant – und der Besuch der „Sezuan“-Premiere sowieso, zumal hinsichtlich der Gäste auf der Aftershow-Party, wie immer bei FBM-Premieren, mit einem repräsentativen Querschnitt der Münchner Kunst- und Kulturszene zu rechnen ist 😉
Titelfoto: Angelica Fell, Gründerin und geschäftsführende Leiterin der Freien Bühne München vor dem neuen Domizil im Kreativquartier München, Dachauer Straße 110d, mit Gaby dos Santos
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