OB Krause enthüllt eine Gedenktafel für die Opfer des OEZ-Terroranschlags vom 22.7.2016 im Münchner Rathaus

„(…) heute hat die Stadt als Zeichen der Erinnerung an einen der schwersten Anschläge der Stadtgeschichte gemeinsam mit Angehörigen der Opfer eine Gedenktafel im Durchgang zum Prunkhof des Rathauses enthüllt. 🕯️ Am 22. Juli 2016 hatte der Täter aus rassistischen Gründen neun Menschen getötet und weitere verletzt. Die Opfer waren überwiegend Jugendliche und junge Erwachsene.

Die Inschrift auf der Tafel erinnert an die neun Ermordeten

  • Armela Segashi
  • Can Leyla
  • Dijamant Zabërgja
  • Guiliano Kollmann
  • Hüseyin Dayıcık
  • Roberto Rafael
  • Sabine Sulaj
  • Selçuk Kılıç
  • Sevda Dağ
  • sowie an fünf weitere Personen, die durch Schüsse schwer verletzt wurden.
Gedenktafel für die Opfer des OEZ- im Münchner Rathaus

Zudem werden das rassistische Motiv und der rechtsterroristische Charakter der Tat benannt. Die steinerne Tafel geht auf einen gemeinsamen Antrag aller Stadtratsfraktionen der vergangenen Amtsperiode zurück und wurde in enger Abstimmung mit den Familien umgesetzt.

(…)

Die Gedenkveranstaltung am kommenden Mittwoch, 22.7.2026 zum zehnten Jahrestag des Attentats findet ab 16 Uhr am Denkmal ‚Für Euch‚ an der Hanauer Straße statt.

Sie wurde gemeinsam von den Familien der Todesopfer und der Landeshauptstadt München organisiert. Es sprechen Angehörige, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Landtagspräsidentin Ilse Aigner und Oberbürgermeister Dominik Krause.

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Das obige Foto zeigt Münchens neuen Oberbürgermeister Dominik Krause während der Enthüllung der Gedenktafel. Aus Rücksicht auf die Angehörigen fand die Zeremonie nur im allerengsten Kreis statt. „Zum Glück!“, würde ich sagen, da sich die Hinterbliebenen im Zusammenhang mit dem 10. Jahrestag ohnehin schon des politischen Tamtams erwehren mussten: Ungeachtet des bereits rappelvollen Terminkalenders hatte die Landtagsspitze darauf gedrängt, auch dort noch eine Gedenkstunde „einzuquetschen“. Das lehnten die Betroffenen entschieden ab – nicht zuletzt, weil im Vorjahr der traditionelle Sommerempfang des Bayerischen Landtags ausgerechnet zeitgleich zur Gedenkveranstaltung stattgefunden hatte. Ein Affront, weswegen sie sich auch kategorisch gegen eine Teilnahme von Ministerpräsident Söder am diesjährigen Gedenktag verwahrten.

Gisela Kollmann, die nach einer gerade überstandenen Operation vorübergehend an den Rollstuhl gefesselt ist, ist die Großmutter eines der Opfer: Giuliano Kollmann wuchs bei ihr auf. Sie ist an ihrem Schmerz gewachsen und inzwischen auch coram publico eine entschlossene Aktivistin zur Wahrung des Gedenkens an „die neun Engel“, wie die Angehörigen die jungen Opfer des OEZ-Anschlags bezeichnen. Angesichts des geringen Alters des Attentäters und seiner Opfer frage ich mich seitdem immer wieder: Wie lebt es sich als Familie nach einem solchen Verlust weiter? Selbst Mutter und Großmutter, kann ich ihren Schmerz nur erahnen und die damit einhergehende Endgültigkeit erst recht nicht erfassen. Doch die lebensbejahende Haltung der Angehörigen von Giuliano Kollmann hat mich ein Stück weit von jener Feigheit befreit, die Außenstehende oft diejenigen meiden lässt, die vom Schicksal gebeutelt wurden – vermutlich aus einer diffusen, aber tiefen Furcht um die eigenen Herzallerliebsten, als wären Schicksalsschläge ansteckend. Doch im Rahmen unserer wenigen Begegnungen hat mir gerade Gisela Kollmann beispielhaft vor Augen geführt, dass jede und jeder von uns für die Sinnhaftigkeit des eigenen Lebens selbst verantwortlich ist. Und der Anblick von ihr und ihrer Tochter mit einem Kinderwagen, in der die nächste Kollmann-Generation friedlich schlummerte, sprach eines Tages Bände von der ebenso wundersamen wie tröstlichen Kontinuität des Lebens…

Dass die Anteilnahme des neuen OB sich nicht in schönen Worten erschöpft, belegen die Portraits der Opfer, die sowohl vor, wie auch in seinem Amtszimner ausgestellt sind (Photos). Auch Alexander Diepold, der Chef des soziokulturellen Zentrums für Sinti und Roma, Madhouse München, erwähnte in unserer Nachbesprechung ausdrücklich das Fingerspitzengefühl der neuen OB’s. Keine Selbstverständlichkeit seitens Stadt und Staat in der Chronik dieser Tragödie und > seinerzeit schier unerträglich für die Betroffenen aus der hiesigen Sinti und Roma-Community!

Alexander Diepold mit Gisela Kollmann

Zu denen, die damals energisch gegen eine unzutreffende Kategorisierung von Opfergruppen und Tatmotiv einschritten, zählt ebenfalls Alexander Diepold, der zudem die Mutter des ermordeten Roberto Rafael, ebenfalls aus der Münchner Community der Sinti und Roma, bei allen offiziellen Anlässen vertritt. Bis heute scheut sie die Öffentlichkeit und alleine in ihrem Glauben findet sie die Kraft zum Weiterleben. Von ihrem Umgang mit der Trauer, dem Ablauf der Tragödie und von der Gedenkveranstaltung 2024, erzählt der Blogbeitrag „Bluten tun wir alle gleich…

«…BLUTEN TUN WIR ALLE GLEICH!» Acht Jahre nach dem OEZ-Attentat: Impressionen der Gedenkfeier in Fotos, Videos und Zitaten sowie Infos zur Broschüre «Tell Their Stories» (NS-Dokumentationszentrum)

Alexander Diepold mit seiner PR-Referentin Gaby dos Santos bei der Nachbesprechung

Auf dem Titelbild in der Mitte Alexander Diepold im Gespräch mit der neuen Zweiten Bürgermeisterin Mona Fuchs




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Veröffentlicht von Gaby dos Santos

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