Um meine Freundin Uta zu treffen, musste ich sie einmal mehr in einem Krankenhaus besuchen. Erfreulicherweise wirkte sie tiefenentspannt und wird nicht lange stationär bleiben müssen. Dennoch finde ich es unendlich unfair – vom Leben, vom Schicksal oder wem auch immer – dass sie ihren Ruhestand nicht ungetrübt genießen kann, nachdem sie ihr ganzes Berufsleben dem Allgemeinwohl gewidmet hat: Über Jahrzehnte war sie im Sozialreferat der Landeshauptstadt München für die Belange der Sinti und Roma zuständig, wofür sie unter anderem das Bundesverdienstkreuz erhielt (nachstehendes Foto, rechts mit Alexander Diepold).

Nach ihrer Verrentung hatten wir begonnen, gemeinsam die Kunst- und Kulturszene zu durchstreifen. Doch relativ schnell ist sie chronisch erkrankt und kann an vielem nicht teilnehmen, weil die Gesundheit wieder mal nicht mitspielt. Während ich so oft traurig darüber bin, meine Erlebnisse nicht mit ihr teilen zu können, habe ich sie noch nie klagen gehört. Sie versteht sich darauf, ihr Glücklichsein aus kleinen Freuden und gesundheitlichen Fortschritten zu ziehen und sich ansonsten von mir erzählen zu lassen, was ich erleben durfte und sie mal wieder verpassen musste. Meinen Berichten folgt sie mit Interesse, nie mit Bitterkeit um das Versäumte. Diese Frau ist personifizierte Haltung. Schon früher habe ich sie auf Grund ihres sozialen Engagements als Vorbild empfunden, jetzt kommt noch ihre Genügsamkeit hinzu.
Daher bin ich es ihr schuldig, zu lernen, mich ebenso über Lichtblicke gemeinsam zu freuen, statt mit den sich langsam aber sicher häufenden „Nie-wieder“ zu hadern. Mit Sicherheit eine gute Vorbereitung auf die Jahre, die vor mir liegen. Hoffentlich gelingt mir das!
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Die Titelcollage zeigt Momentaufnahmen meines Besuchs bei Uta, auf dem Gang der Klinik und in der anheimelnden Kapelle
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