„In der Erinnerung liegt die Kraft, Gerechtigkeit zu erneuern. (…)“ – Zum Gedenken an die Deportation der 141 Münchner Sinti und Roma, am 13. März 1943, das Programm 2026 der Landeshauptstadt, sowie die Abschrift einer Predigt von Dekan Felix Reuter (Ökumenischer Gedenkgottesdienst, 11.3.25)

Warum nicht endlich die Vergangenheit ruhen lassen
und über die Verbrechen unserer Vorfahren das gern zitierte „Ei“ schlagen?

Diese Frage köchelt schon lange in unserer Gesellschaft vor sich hin und kocht pünktlich auf – und gerne auch mal über, sobald Jahrestage anstehen. Auch ich selbst habe mir diese Frage schon gestellt, insbesondere, wenn Gedenkstunden mal wieder in routinierten Pflichtübungen erstarrt waren, gespickt mit Reden, die sich im besten Fall in Rhetorik erschöpften, oft gar durchblicken ließen, dass weder AutorIn noch RednerIn über solide Hintergrundkenntnisse verfügten.

In verstärktem Maße betrifft dieses Manko Sinti & Roma, da mit der Aufarbeitung ihres Holocausts sowie ihrer gesellschaftlichen Integration erst spät begonnen wurde. Entsprechend groß gestalten sich noch immer die Wissenslücken zur ihrer Kultur und Geschichte.

Erste Erwähnungen von Sinti in Hildesheim bereits um 1430;
Collage von Gaby dos Santos aus dem Historical von 2023 „Nächster Halt Auschwitz“, mit historischen Bildelementen

Dabei handelt es sich bei den Sinti um deutsche Mitbürgerinnen und Mitbürger, deren Chronik Teil der unsrigen ist, da sie schon seit Jahrhunderten unter uns leben.

Allerdings geben sie sich bis heute häufig nicht zu erkennen, denn die Ausgrenzung und Diskriminierung ihnen gegenüber hielt sich bis weit in die Nachkriegszeit hinein… und mehr noch ist bis heute der Kampf gegen Antiziganismus das Gegenteil von ausgestanden.

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Für umso wichtiger halte ich es, sich genau darauf zu besinnen, von wem genau hier eigentlich die Rede ist, was diese Menschen ausmacht, vor dem Hintergrund dessen, was ihnen angetan wurde, denn, wie Felix Reuter, Dekan im Münchner Norden, einer vielbeachteten Predigt 2025 äußerte:

Dekan Felix Reuter am 11.3.2025, während der Predigt zum ökumenischen Gottesdienst

Die Erinnerung ruft uns dazu auf, für die Würde jedes Menschen einzustehen und die Verantwortung zu tragen, dass sich solches Unrecht und Leid niemals wiederholt.

Wenn wir heute an den Schmerz und die Tragödie jener Deportationen erinnern, dann lassen wir nicht zu, dass durch das Vergessen neues Unrecht und Leid entsteht.

Vergessen reproduziert Unrecht und Leid.
In der Erinnerung liegt die Kraft, Gerechtigkeit zu erneuern.
Erinnerung fordert uns auf, auch heute gegen jede Form von Ausgrenzung, Rassismus und Intoleranz anzukämpfen.

Auszug aus der Predigt von Dekan Felix Reuter zum ökumenischen Gottesdienst am 11.3.2025, in der Pfarrei Mariä Sieben Schmerzen München-Nord

Nachstehend Felix Reuters Predigt in voller Länge



Die obige Predigt beinhaltet auch einen lesenswerten Appell an alle Gläubigen, gepaart mit einer Botschaft christlicher Hoffnung, die bei der Community selbst auf fruchtbaren Boden gefallen sein dürfte:

Noch nie bin ich einer Gruppierung von vergleichbarer Spiritualität begegnet und von einem so unkaputtbaren Glauben, wie bei den Sinti und Roma, trotz all dem Leid, das ihnen, nicht nur während des Dritten Reiches und teilweise auch durch die Kirchen zugefügt wurde.

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Daher beginnt der ihnen im März gewidmete Veranstaltungsblock alljährlich mit einem ökumenischen Gedenkgottesdienst um die Monatsmitte herum, der musikalisch von Sinti umrahmt wird.

Sinti-Musiker 2025 beim ökumenischen Gottesdienst, dem traditionellen Auftakt ihrer jährlichen Gedenktage im März

Auch 2026 findet der ökumenische Gedenkgottesdienst in der Pfarrei Mariä Sieben Schmerzen, Am Frauenholz 8, im Münchner Norden statt,
am Dienstag, den 10. März 2026, um 18.00 Uhr

Alexander Diepold, Leiter des soziokulturellen Zentrums Madhouse für Sinti & Roma in München, hält während des Gedenkgottesdienstes 2025 eine Ansprache

Foto-Retrospektive vom 13. März 2025:
Gedenkstunde mit Namenslesung der 141 deportierten Münchner Sinti am Platz der Opfer des Nationalsozialismus



Programm Flyer 2026 der LH München


Weitere Beiträge im GdS-Blog zu Gedenkveranstaltungen für die deportierten Sinti & Roma in München, 2018 – 2024


Weitere Informationen zu den Volksgruppen:




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Veröffentlicht von Gaby dos Santos

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