Früher reichte es, einen Kerl in Frauenklamotten zu stecken und ihm eine Perücke auf den Schädel zu stülpen – fertig war der GAG… Derart dürftig präsentierte sich Travestie in ihren Anfängen oft, als der Anblick der „Herren Damen“ vielfach schon Kuriosum genug schien, um als abendfüllend wahrgenommen zu werden. Doch das habe sich inzwischen grundlegend geändert, die Anforderungen an das Genre seien deutlich gestiegen, erläuterte der Performance-Künstler Chris Kolonko auf dem Presseempfang, den er zusammen mit TV-Star und Theaterfrau Christiane Brammer, in deren Hofspielhaus abhielt.

Wie hoch der „Perfektionist“, als den ihn Christiane Brammer bezeichnete, die Messlatte bei sich selbst anlegt, bewies er im Anschluss an das Pressegespräch, mit einer Showeinlage, die fulminant auf sein diesjähriges Gastspiel im Hofspielhaus einstimmte:
CHRIS KOLONKO SUMMER NIGHT
3. bis einschließlich 21. Juni 2026
> LINK

Alljährlich, seit Eröffnung der Bühne 2015, gastiert Kolonko dort und lässt sich jeweils ein maßgeschneidertes Programm einfallen. In diesem Jahr steht die Interaktion mit den ZuschauerInnen konzeptionell im Vordergrund.

Publikumswünsche auf Zuruf, Assoziationen die sich aus dem Dialog mit den ZuschauerInnen ergeben, der Rückgriff auf ein bestimmtes Requisit, etc. können als Stichwortgeber für die nächste Songeinlage dienen.
Ein Showformat, das sich ebenso ansprechend, wie herausfordernd gestaltet! Die Grundlage dafür bietet Kolonkos umfassendes Repertoire von 80 Songs unterschiedlichster musikalischer Genres, die der Künstler auf Abruf auswendig beherrscht!

Moderne Tablet-Technik (s. Foto) ermöglicht den flexiblen Zugriff auf alle 80 Halfplaybacks, ohne dabei den Bühnenzauber zu zerstören, der bei Chris Kolonko, in bester Show-Tradition, in schillerndstem Gewand daherkommt.

Letzteres darf getrost buchstäblich aufgefasst werden, denn Kolonko steht für seine SUMMER NIGHT ein Fundus von ! über 40 Kostümen zur Verfügung, die aus den überraschendsten Winkeln des Spielorts hervorgezaubert und on stage gewechselt werden – grundsätzlich, ohne dabei den Spielfluss der Show zu unterbrechen!





Aus Beate wird on stage Marlene
– So elegant wie Kolonkos Bühnenalias „Beate“ ihre Umzüge hinbekommt, würde ich das auch gerne können und so in Schuß sein, auch wenn…
„… die Haut am Hals nicht mehr so elastisch daherkommt, dass sie nach dem Ziehen wieder selbstständig zurück springen würde (…)“ 😉
…wie er/sie mit einem ansprechenden Anflug uneitler Selbstironie von der Bühne herab verriet.

Bereits zuvor hatte Christiane Brammer, im Rahmen des Pressegespräches, Kolonkos Fähigkeit zur Selbstreflexion gelobt. Diese würde in seinen Gesprächen mit dem Publikum weit „unter die Benutzeroberfläche“ geläufiger Kommunikationsfloskeln führen.
Damit erfüllt Kolonko auf das Allerfeinste den Anspruch von Christiane Brammers Bühne, Unterhaltung mit Tiefgang zu kombinieren und dabei große Showmomente in ein 70 Plätze-Theater zu beamen!

Diese Art Magie ist der Vision Christiane Brammers zu verdanken, die in ihrer Bühne all dem Platz bieten wollte, was auch in den großen Staatstheatern um sie herum stattfindet, ob große Oper, Musical, Repertoire Theater oder eben glamouröse Shows, aber jeweils mit Pfiff und Fingerspitzengefühl, passgenau auf die Gegebenheiten ihrer Bühne zugeschnitten, ohne sich wegen der Raummaße in ihren Visionen und dem unbedingten Willen, diese umzusetzen, beschneiden zu lassen.
Auf gesellschaftspolitische Entwicklungen hingegen geht die Theatermacherin ein, um wirklichkeitsnah zu reagieren. Als die letztjährige, auschnittsweise Inszenierung der Oper TOSCA, mit all ihren Gewaltexzessen, von der Realität überholt wurde, strich Brammer sie aus dem Programm.
Doch auch angesichts der gegenwärtigen Tristesse im Weltgeschehen, will sie ihr Programm keineswegs auf szenische Alltagsfluchten hin trimmen, sondern kontinuierlich nach einer ausgewogenen thematischen Balance suchen, verriet sie mir in einem kurzen Gespräch nach dem Showcase.

Für ein Foto nahm sie dabei die gleiche Pose ein, wie vor 10 Jahren, als ich sie erstmals ablichtete. Mich erstaunte ihre ungebrochene Strahlkraft, nach 11 Jahren des eigenen Bühnenbetriebs und einer zwischenzeitlichen Pandemie! Das mag wohl an ihrem Erfolg als Theatermacherin liegen, die sich ihr Publikum nicht nur dank eines phantasievollen Programms, mit einer gekonnten Mischung aus Tiefgang und Unterhaltung, erobert hat, sondern auch dank eines stimmigen Gesamtpaketes aus Ambiente mit Flair und sommerlichem Innenhof, sowie liebevoll ausgestalteter Kulinarik.



Der Innenhof des Hofspielhauses bildet die sommerliche Oase des Theaters, in Kombination mit kulinarischen Extras; auch für Chris Kolonkos SUMMER NIGHT wurden Drinks sowie ein Spezialitätenteller konzipiert, der im schon Vorfeld, zusammen mit den Karten, gebucht werden kann.
FAZIT
Das Hofspielhaus ist ein kleiner, aber gleichermaßen feiner Spielort, der die umliegenden Staatstheaterbetriebe, dank seines intimen Rahmens und seiner individuellen Handschrift ergänzt, ohne sie zu kopieren, im allerbesten Sinne von „Aus weniger mach mehr!“ Chris Kolonkos aktuelle Show fügt sich dort nahtlos ein!

Für meinen Teil habe ich bereits eine SUMMER NIGHT mit FreundInnen fest in Planung. Erst mit Drinks im Innenhof abhängen, dann Showtime und schließlich noch einen Absacker in der Münchner Altstadt…
Foto: Christiane Brammer (li), Chris Kolonko und Gaby dos Santos im Hofspielhaus, 28.4.2026
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