„Unser Volk überdauert!“, lautet die Botschaft eines farbintensiven Gemäldes von Ceija Stojka (1933–2013), einer renommierten Künstlerin aus der Volksgruppe der Lovara-Romni. Kurz vor ihrem Tod schenkte sie das Werk Alexander Diepold, dem Leiter des soziokulturellen Zentrums Madhouse für Sinti und Roma in München. Das Exponat zeigt die Idylle einer opulenten Naturlandschaft, die jedoch durch schwarze Vögel und dunkel grollende Wolken bedroht scheint. Deren Düsternis setzt sich in der Bildmitte in den knorrigen Konturen eines verkohlten Baumes fort. In seinem morschen Holz hat sich jedoch längst wieder eine Pflanzenblüte verwurzelt, die sich stetig weiter entfaltet.

Das Bild steht nicht nur symbolträchtig für den Kreislauf von „Stirb und Werde“ – vielmehr gab es diesen Baum tatsächlich, und zwar im KZ Bergen-Belsen. Mit Stücken seiner Rinde versuchten die Häftlinge damals, ihren Hunger zu mildern; ab und an ergatterten sie sogar ein frisches Blättchen. Als die Wachmannschaften dahinterkamen, setzten sie den Baum in Brand, um den Hungernden auch noch diese minimale Nahrungsquelle zu nehmen. In den 1990er-Jahren besuchte Ceija Stojka, die insgesamt drei Konzentrationslager überlebt hatte, Bergen-Belsen erneut. Dabei fand sie den Baum wieder: beschädigt zwar, aber – im Gegensatz zum NS-Regime – weiterhin fest in den ewigen Kreislauf des Lebens eingebunden. Auf dem Titelfoto erläutert Alexander Diepold einer sichtlich bewegten Lena Zöllner die Bedeutung des Bildes so, wie Ceija es ihm einst dargelegt hat. Ein gewichtiges Vermächtnis, das bei Alexander angesichts seines lebenslangen Engagements für „seine Menschen“ in den besten Händen und im Konferenzraum von Madhouse kongenial platziert ist.
Das Werk birgt eine kraftvolle Botschaft zum Empowerment der Communities der Sinti, Roma, Jenischen und Reisenden sowie eine Mahnung an uns als Mehrheitsgesellschaft im Sinne eines dringlichen „Nie wieder“! Diese Mahnung und Erinnerung wird bereits in den nächsten Wochen und Monaten besonders präsent sein, da eine ganze Reihe von Jahrestagen, mit entsprechendem Aufkommen an BesucherInnen, in Zusammenhang mit der Bürgerrechtsarbeit für Sinti und Roma ansteht.

Den Auftakt mache ich selbst am 2. September 2026. An diesem Tag werde ich auf zehn erfüllte Jahre der Zusammenarbeit mit Madhouse und Alexander Diepold zurückblicken und unsere nachhaltige Verbundenheit feiern! Und genau diese Feier will vorbereitet sein. Deshalb begleitete mich meine Freundin Lena heute zum ersten Mal, um gemeinsam ein Konzept für die Dekoration zu erarbeiten. Außer dem Hervorschieben des Klaviers und der Übereinkunft, den Raum in den Madhouse– (und Ukraine)-Farben Blau und Gelb zu gestalten, ist dabei allerdings noch nicht viel Kreatives herausgekommen. Doch dafür hat Alexander Lena bei diesem Besuch durch seine Ausführungen ein Gefühl dafür vermittelt, warum mich die Thematik „Sinti und Roma“ nie mehr losgelassen hat, nachdem ich einmal die Schwelle von Alexanders Lebenswerk „Madhouse“ überschritten hatte – ganz so wie heute meine Freundin…

Was die Dekoration anbelangt, haben wir im Anschluss einen weiteren Versuch im PEP gestartet. Dort sind wir beutetechnisch auch fündig geworden – selbst wenn das Ergebnis am Ende nicht wirklich etwas mit blau-gelber Deko zu tun hatte…. 😉
Mehr im GdS-Blog zu
„Sinti und Roma, Jenische und Reisende“:
Entdecke mehr von Gaby dos Santos
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.
